Achtung Wortspiel! „App-gefahrenes Sächsisch“
Juni 2010 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhaltenEs gibt unter den so zahlreichen Mundarten in Deutschland ein paar wenige, die sich in den Köpfen der Menschen eingeprägt haben. Paradebeispiel für einen negativ konnotierten Dialekt ist und bleibt das Sächsische. Dass Sächsisch nicht gleich sächsisch und Leipziger nicht gleich Vogtländer ist, sollte eigentlich nicht explizit erwähnt werden müssen, aber infolge des Hin- und Herwanderns der Menschen und der damit einhergehenden Verbreiung der Sprache ist es doch das einfachste, alles angefangen vom Thüringischen bis zum Obersächsischen sprichwörtlich über den Kamm zu scheren. Warum das Sächsische nun zu den unliebsten Mundarten gehört? Schon einmal Unterschichten-Fernsehen geschaut? Und den einmal gewonnenen Ruf wird man dann eben so schnell nicht wieder los.

So war es letztlich auch nur eine Frage der Zeit, bis ein Verlag auf die Idee kommen würde, auf den App-Zug aufzuspringen und das iPhone sächseln zu lassen. Erfinder der App “Sächsisch” bzw. deren Verkäufer, Urheber oder was auch immer ist WISSEN DIREKT, Realis Verlags-GmbH. „Ein Partyspaß zum Totlachen“ wie es in der Beschreibung so wortgewandt heißt.
Die App beinhaltet ein Wörterbuch, welches gesprochen von den Leipziger Kabarettisten Gunter Böhnke und dem Schauspieler Bernhard Biller, Sächsisch in Hochdeutsch übersetzt und natürlich umgekehrt. Zudem kann man sein iPhone bzw. iPod touch kräftig schütteln und darf ein Quiz mit den (Achtung Wortspiel vom Verlag) „app-gefahrensten Sachsen-Wörtern“ lösen. Und schließlich verfügt die App noch über eine Suchfunktion, mit deren Hilfe man nach Themen suchen kann. Auf diese Weise kann man dann erlernen, wie man sächsisch flucht und schimpft.
Sächsisch fürs iPhone kostet 0,79 Euro, ist allerdings aufgrund von selten bis schwach ausgeprägtem obszönen oder vulgären Humor sowie selten bis schwach ausgeprägten Szenen mit erotischen Anspielungen erst ab neun Jahren erhältlich. Da werden aber alle iPhone-Besitzer, die diese Altergrenze noch nicht genommen haben, echt traurig sein.
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