Trends rundum iPad und Co. - Mobile Publishing Gipfel 2010
Juli 2010 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhalten“Content is Prime Minister, Context is King” - auch wenn das Redakteursherz blutet ob dieser Aussage, musste sich selbst der überzeugteste Content-is-King-Verteidiger am Abend des 18. Juni eingestehen: Da ist schon etwas dran. Mit seiner Keynote über Clouds, App-Tsunamis und die General-Mobilmachung stellte Frank Fischer von Microsoft Deutschland nicht nur den hohen Stellenwert von “Context” dar, sondern leitete mit seinem Eröffnungsvortrag eine Veranstaltung ein, die vor allem eines deutlich machte: Get mobile! Denn beim 2. Mobile Publishing Gipfel im Münchener Literaturhaus drehte sich in verschiedenen Vorträgen, Präsentationen und Diskussionsrunden alles um iPad, E-Book und Co. Zu der Tagung rundum mobile Trends im E-Publishing insbesondere für Fach- und Special-Interest-Verlage hatte die Akademie des deutschen Buchhandels geladen. Und trotz anstehendem Deutschland-Spiel in der WM-Vorrunde folgten viele Vertreter aus der Verlags- und Medienbranche dieser Einladung.

Was erwartet Verlage? Wie können zukunftsweisende Multimedia-Strategien aussehen - und sind diese umsetzbar und rentabel? Was will und erwartet der Nutzer? Und: Welche Erfahrungen haben die Verlage in puncto Interaktion, mobiles Publizieren und dessen Vermarktung schon gesammelt? Sowohl Anbieter als auch Anwender mobiler Technologien stellten in ihren Vorträgen ihr Wissen und Kenntnisstand, aber auch Ideen und Visionen vor. Denn angesichts der jungen Disziplin des E-Publishings - bei gleichzeitig rasanter Entwicklung des technologischen Möglichkeiten - ist eines klar: Visionen sind nötig, einen Königsweg gibt es nicht. Es sind vor allem viele Fragen, die anno 2010 im Raum stehen: Rein in den App-Store mit einer Eigenkreation oder nicht? Positionierung im iPad-Markt als “Early Bird”? Mobiles Publizieren um jeden Preis? Letztlich scheint richtig, was im Kommunikationszeitalter eigentlich kein Geheimnis ist: Denkt an die Zielgruppe!

Und so standen bei vielen der Referenten die Nutzer im Zentrum des Vortrags. Vor allem, weil diese eben immer weniger in 08/15-Schubladen stecken. So besitzt beispielsweise nur ein Bruchteil der Deutschen ein iPhone, nämlich unter drei Prozent. Aber diese Gruppe hat es in Sachen Webbrowsing und Kaufkraft drauf - also doch eine eigene App? Auch die Frage, wer zwischen E-Reader und Media Tablets die Nase vorn hat, wurde im Hinblick auf die Verschiedenheit der Zielgruppen intensiv diskutiert. Und schließlich brachte eine Paneldiskussion, an der unter anderem Sebastian Hirsch, Chefredakteur der MacWelt, und Richard Gutjahr, Redakteur der ARD, teilnahmen, eine so präsente wie hitzige Frage auf die Agenda: Ist das iPad reines Lifestyle-Objekt oder ein Endgerät mit echtem Mehrwert?

Ein interessiertes Publikum, fundierte und anregende Vorträge und am Ende des Tages schließlich der Erkenntnisgewinn, dass alles spannend bleibt, ausprobiert werden muss und zur Innovation vor allem Mut dazugehört - mit dem Mobile Publishing Gipfel können die Veranstalter mehr als zufrieden sein. War es vor einem Jahr das Kindle, in diesem Jahr das iPad, die die Tagesordnung der jeweiligen Veranstaltung inhaltlich bestimmten - wer weiß, was 2011 ansteht. Was hingegen sicher scheint: “Safe is risky!” - wie Frank Fischer in seiner Keynote verkündete. Da hat er wohl recht.


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